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Körpersprache und nonverbale Kommunikation



Über Erfolg und Misserfolg einer kommunikativen Beziehung zwischen Menschen sind immer nichtsprachliche Phänomene mitentscheidend: Gestik, Mimik, Körperhaltung, Bewegung, Intonation, Sprechmelodie, Dynamik, Rhythmik, Klangfarbe. All diese außersprachlichen Faktoren der Kommunikation gleichen wir mit unserer individuellen Erfahrung und mit der eigenen Kommunikationsbiografie ab – und bewerten das Gesagte dann entsprechend. Jede Äußerung durchläuft viele Sinneskanäle. Eine Nachricht wird vom Empfänger erst dann als kongruent akzeptiert, wenn die Signale aller Ebenen in die gleiche Richtung weisen.


Die Anfänge der menschlichen Kommunikation liegen im Gesichtsausdruck und in der Körpersprache. Die nonverbale Kommunikation ist die älteste Form der zwischenmenschlichen Verständigung. Nonverbale Signale entziehen sich weitgehend unserem Willen und sind meist unmittelbarer, unkontrollierter, unzensierter mit unseren tatsächlichen Empfindungen verbunden.


Zur nonverbalen Kommunikation gehört auch die beabsichtigte Veränderung des Aussehens, etwa durch Varianten in Kleidung, Schmuck oder Frisur. Das Ziel ist dabei eine Individualisierung des eigenen Selbst, aber auch das Zurschaustellen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Frauen verfolgten vermutlich in Konfliktsituationen meistens eine Nett-und-freundlich-Strategie, deshalb gehen sie grundsätzlich viel freizügiger mit positiver Körpersprache um. Siehe Blog "Symbole auf der Haut".


Eine Vielzahl von Bewegungen (v.a. einzelner Körperteile wie z.B. sich berühren, sich kratzen) spiegelt emotionale Erregung wider. Je höher die Häufigkeit, desto größer die Erregung. Bedrohliche und beängstigende Charaktere zeigen mehr diagonale und eckige Bewegungen, während warme und sympathische Charaktere mehr runde Bewegungen aufweisen.


Räumlich ausgeführte Aufwärtsbewegungen helfen der Erinnerung an positive Ereignisse, Abwärtsbewegungen an negative. Man erinnert sich an positive Ereignisse auch besser, wenn man lächelt und aufrecht sitzt, während wir mehr zu negativen Erinnerungen neigen, wenn wir die Mundwinkel und Schultern hängen lassen.


Menschen nutzen die nicht-dominante Hand häufig für negative Botschaften und unterstreichen mit der dominanten Hand Positives. Die Hand, die ein Sprecher für seine Gestik bevorzugt benutzt, sagt also viel darüber aus, was er tatsächlich über seine Botschaften denkt.


Gelernte Fingergesten wirken nicht nur auf den Empfänger, sondern auch auf jenen, der die Finger sprechen ließ. Offensichtlich bringt die Mittelfinger-Geste auch schlechte Gedanken mit sich. Umgekehrt funktioniert auch die Daumen-hoch-Geste. Sie ließen – im Experiment angewendet – die Beliebtheitswerte steigen. Dazu zählt wahrscheinlich auch die "Hand-aufs-Herz-Geste", die sich steigender Beliebtheit erfreut. Siehe Blog "Informationskanäle und erster Eindruck".


Expressivität wird in der Regel positiv bewertet. Expressive Menschen sind beliebter und wirken auf Grund ihrer offenen Art vergleichsweise attraktiver. Sie ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich und regen auf der anderen Seite zu expressiverem Verhalten und mehr Empathie an. Deshalb geben solche Menschen in sozialen Situationen den Ton an bzw. sind überproportional wichtig für die Gesamtstimmung einer Gruppe. Menschen mit geringerer Expressivität sind im Durchschnitt anfälliger für verschiedene Krankheiten. Ärzte mit expressivem Verhalten sind bei Patienten beliebter als weniger expressive. Sie haben auch mehr Patienten, die auch zufriedener sind.


Das Miteinander-Sprechen ist keineswegs nur ein Gedankenaustausch. Alles Sprechen verfolgt die Absicht, das Verhalten, Denken und Gefühle des Angesprochenen zu beeinflussen. Die nichtsprachliche Ebene liefert zur Inhaltsebene die unbewussten vieldeutigen Beimischungen mit Hinweis darauf, wie ein kommunikativer Beitrag zu verstehen ist.


Die Stimme vermittelt dabei das Ungesagte im Gesagten und gibt uns entscheidende Hinweise für die Interpretation. Unser Denken und Handeln, unsere Gefühle, Vorlieben und Einstellungen, alles, was wir täglich tun, was wir glauben und empfinden, übermitteln nicht nur unsere Worte, sondern insbesondere unsere Stimme. Sie erst erzeugt die innerliche Resonanz bei unseren Mitmenschen.

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1 comentario


manuela
manuela
13 mar 2023

Wunderbares Wissen - vielen herzlichen Dank dafür!

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