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Warum können Affen nicht sprechen?



Gegenseitige Verständigung bildet die Grundlage für ein Zusammenleben sowohl unter Tieren als auch in der menschlichen Gesellschaft. Und wenn schon keine gemeinsamen Handlungsziele verfolgt werden, dann sollen zumindest Stimmungen und Absichten erkennbar sein. Eine funktionierende Kommunikation ist daher für jedes Lebewesen eine Überlebensfrage und in der Entwicklungsgeschichte wurden zahlreiche Strategien dafür entwickelt.


Die Kommunikation kann mit Hilfe chemischer Signale (z.B. Sexuallockstoffe), mechanischer Signale (z.B. Vibrationen) oder optischer Signale (z.B. Balzsignale) erfolgen. Die akustische Verständigung wurde allerdings bevorzugt und mehrfach entwickelt: bei Insekten durch Reiben oder Vibrieren bestimmter Körperteile oder bei Fischen durch Klopfen der Flossen auf den Körper. Bei Wirbeltieren und v.a. bei Säugetieren werden mithilfe des Luftstromes unterschiedliche Stimmen erzeugt.


Das Unvermögen von Tieren, der menschlichen Sprache ähnliche Laute zu produzieren und damit zu kommunizieren, wurde lange Zeit nicht untersucht. Für den französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) war die Seele die Basis der menschlichen Sprache – und nur der Mensch besitze sie. Auch die geringe Gehirnentwicklung der Affen wurde als Grund angeführt. Erst vor etwa 45 Jahren wurde begonnen, den Vokaltrakt von Säugetieren und Menschen genauer zu vergleichen. Und hier ergibt sich ein gravierender Unterschied.


Bei fast allen höheren Säugetieren befindet sich der Kehlkopf weit oben im Hals. Der Kehlkopf reicht fast bis in den Nasen-Rachen-Raum hinein. Beim Menschen hat sich – vermutlich wegen des aufrechten Ganges – im Lauf der Menschheitsgeschichte der Kehlkopf gesenkt und liegt nun tiefer im Hals. Somit ist oberhalb der Stimmbänder ein zusätzlicher Raum entstanden, der mit dem Mundraum gemeinsam einen beträchtlich verlängerten Vokaltrakt bildet.


Nicht nur die höhere Lage des Kehlkopfes, sondern auch sein Querschnitt in Relation zur Luftröhre ist bemerkenswert. Eine besonders ausgeprägte Fähigkeit, den Kehlkopf weit zu öffnen, haben Fluchttiere, wie Pferde oder Gazellen – also Tiere, bei denen das Überleben von hohem Lufteinsatz abhängt. Dies hat 1913 der ungarische Anatom J. Nemai und 1928 der englische Anatom V. E. Negus (1887 – 1974) bestätigt: „Der Mensch gleicht einem Auto mit einem starken Motor, guter Kraftübertragung, aber gedrosselter Lufteinströmung in den Vergaser.“


Anschaulich demonstriert wurde das in den 1960er Jahren vom amerikanischen Linguisten Philip Lieberman (1934 – 12. Juli 2022), als er bei toten Affen die größtmögliche Variation des Mundraumes bestimmte, diese Daten in ein Computerprogramm einspeiste und aufgrund der geometrischen Form des Hohlraumes die Grundfrequenz des Resonanzkörpers berechnete.


Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen konnten neue Untersuchungen erstmals die für die Lautbildung wichtigen variablen Resonanzräume im Rachen-Mund-Bereich beim lebenden Tier exakt vermessen. Dabei ergaben sich viel geringere Unterschiede im Vergleich zum Menschen als bei bisherigen Messungen. Makaken verfügen über einen sprachbereiten Vokaltrakt, aber es fehlt ihnen ein sprachbereites Gehirn, um ihn zu steuern“, schreiben die Forscher um Tecumseh Fitch von der Universität Wien und Asif Ghazanfar von der Princeton University.


Obwohl bei Affen die anatomische Voraussetzung eines Stimmorgans (Atmungsapparat, Kehlkopf mit Stimmlippen und Mundraum) gegeben wäre, kommen sie nicht im Entferntesten der Vielfalt der menschlichen Sprache nahe. Versuche haben gezeigt, dass höhere Affen wohl gesprochene Worte akustisch wahrnehmen können und ihnen zum Teil sogar eine Bedeutung zuordnen können, dass sie aber nicht fähig sind, selbst Worte zu artikulieren.


Makaken haben keine Schwierigkeiten, Konsonanten wie p, b, k, g, h, m und w zu produzieren und könnten so Tausende verschiedene Wörter bilden. Das Sprechen des Satzes „Will you marry me?“ („Möchtest du mich heiraten?“) ähnelt erstaunlich stark der menschlichen Sprache. Wären Affen also mit der Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns ausgestattet, könnten sie auch über Sprache kommunizieren.

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