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DAS MONOCHORD – Rechengerät und Musikinstrument



Ein Monochord (griech. monos = einzeln, chorde = Saite) ist ein musikinstrumentenähnliches Werkzeug, das aus einem länglichen Resonanzkasten besteht, über den der Länge nach Saiten gespannt und auf den gleichen Ton gestimmt sind. Diese können mit Hilfe von Stegen, die beweglich unter ihnen angebracht sind, geteilt werden, wodurch auf demselben Instrument verschiedene Töne spielbar werden. Einfache Teilungsverhältnisse, wie beispielsweise 1:2 oder 3:4, ergeben Zusammenklänge (Konsonanzen), komplizierte Teilungsverhältnisse erzeugen Dissonanzen. Das Monochord dient somit zur Veranschaulichung von akustischen Phänomenen, wie dem Zusammenhang zwischen Tonhöhe und Saitenlänge.


In der Antike wurde das Monochord verwendet, um musiktheoretische und physikalische Zusammenhänge zu demonstrieren. Pythagoras (um 570 bis nach 510 v. Chr.) soll nach seiner legendären Entdeckung in der Schmiede damit die Teilungsverhältnisse von Saiten erforscht und seine Theorie der Konsonanz entwickelt haben.


Die antike Legende beschreibt, wie Pythagoras in einer Schmiede entdeckte, dass gleichzeitige Hammerschläge wohlklingende Töne erzeugten, wenn die Gewichte der Hämmer in bestimmten ganzzahligen Verhältnissen standen. Diese Beobachtung habe ihn zu Experimenten an der schwingenden Saite eines Monochordes geführt, die zur Grundlage für die musiktheoretische Beschreibung von Intervallen wurden.


Mit den auf diesem Weg gewonnenen Erkenntnissen habe Pythagoras die Musiktheorie begründet was zur Folge hatte, dass Pythagoras in der römischen Kaiserzeit und im Mittelalter pauschal als Erfinder der Musik bezeichnet wurde. Erst im 17. Jahrhundert konnte gezeigt werden, dass die Darstellung der Legende nicht zutreffen kann, weil die Tonhöhe beim Hämmern kaum vom Gewicht des Hammers abhängt und die Schwingungen des Hammers selbst praktisch unhörbar sind. Dennoch wird die Legende auch in neueren Veröffentlichungen noch wie ein glaubwürdiger Bericht behandelt.


Das älteste Dokument mit einer Tonsystemdarstellung am Monochord ist die Teilung des Kanons von Euklid (wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr.). Von Ptolemaios (um 100 – nach 160 n. Chr.) stammen die ältesten messtechnischen Verfeinerungen am Kanon. Der spätantike römische Gelehrte Boethius (um 480–um 526) befasste sich in seinem Lehrbuch De institutione musica („Einführung in die Musik“) mit der Saitenteilung des Monochords.


Cassiodor (um 485 – um 580) wollte mit seiner Musiktheorie Institutiones musicae die Mönche des Klosters Vivarium umfassend über Musik informieren. Seit dem 10. Jahrhundert gab es eigene Abhandlungen über die theoretischen Grundlagen der Musik, die mittels Demonstrationsinstrumenten gewonnen wurden. Genauere Angaben über Teilungsverhältnisse finden sich in den Schriften des Guido von Arezzo (siehe Blog „Die Herkunft der Solfeggio Frequenzen“).


In manchen Ländern finden sich einsaitige Volksmusikinstrumente, die im Prinzip dem Monochord entsprechen. Im Mittelalter wurde das Trumscheit oder die „Nonnengeige“ verwendet, ein ca. 2 m langes und mit nur einer Darmsaite bezogenes Instrument. Es erzeugt einen schnarrenden Ton, dessen Klangfarbe an eine Trompete erinnert. Das Trumscheit wurde häufig von Nonnen verwendet, weil es ihnen lange Zeit nicht erlaubt war, echte Blasinstrumente zu spielen.


Eine verbesserte mittelalterliche Version des Monochords war das Tastenmonochord, bei dem die Saite durch Druck auf eine Reihe von Tasten an verschiedenen Stellen verkürzt werden konnte. Ein solches Instrument mit der Vorstufe einer Klaviertastatur konstruierte Conrad von Zabern (1410–1476 /1481). Er verfasste eine Musiklehre, die auf den Schriften von Guido von Arezzo beruhte. Bei seinen unzähligen öffentlichen Vorträgen verwendete er sein selbstgebautes Tastenmonochord zur Veranschaulichung und empfahl es zum Gesang des Chorals, zur Lehre und zum Lernen.


Erhalten hat sich der Diddley Bow, eine einsaitige Brettzither, wobei die eine Saite mit einem kurzen Stock angeschlagen und man mit einem Bottleneck („Flaschenhals“) über die Saiten gleiten („sliden“) und so die Tonhöhe verändern kann. In den 1950er Jahren spielte der US-amerikanische Bluesmusiker Willie Joe Duncan (1919 – 1982), genannt „One-String-Joe“ und „One-String-Willie“, ein Monochord von mehr als einer Körperlänge, welches er „Unitar“ bzw. „Unitarre“ nannte - hörenswert! Auch Lonnie Pitchford (1955 – 1998) führte die Tradition des Country-Blues bis in die 1990er Jahre weiter - sehenswert!


Weitere moderne Bauformen des Monochords sind oft mit vielen parallelen Saiten versehen, die auf den gleichen Ton gestimmt sind und dadurch einen sehr vollen Klang mit reichem Obertonspektrum ergeben. Diese Instrumente werden meistens immer noch als Monochord, teilweise aber auch als Polychord bezeichnet (griech. poly = mehrere). Das Prinzip des gleichzeitigen Anstreichens vieler gleichgestimmter Saiten kennt man bereits seit Jahrhunderten von Bordunzithern, es erzeugt den „Hummelklang“, genannt Bordun (von franz. Bourdon = Hummel).


Große Monochorde/Polychorde findet man zur Meditationsbegleitung, in der Musiktherapie, im Bereich Wellness sowie in der Alternativmedizin für klangtherapeutische Anwendungen, da ihr Klang als angenehm und beruhigend empfunden wird. Der Form des Resonanzkastens sind keine Grenzen gesetzt. Teilweise werden sie als „Klangmöbel“ gebaut, in der Form von Tischen, Stühlen, Liegen, Schalen oder Röhren, auf oder in denen ein Mensch liegend oder sitzend Platz findet.


Beim Doppelinstrument Koto-Monochord befinden sich die einstimmigen Bordun-Saiten auf einer Ebene, die pentatonisch gestimmten Koto-Saiten auf der anderen. Streicht man mit den Fingern einer Hand über die auf einen Ton gestimmte Saitenebene des Monochords, so entfaltet sich ein sehr weiter, obertonreicher und erstaunlich tiefgründiger Klang. Stimmt man die Koto-Saiten passend auf den Grundton, kann man mit der anderen Hand improvisieren. Es kann sowohl stehend als auch liegend gespielt werden. Ich darf ein solch wunderbares Instrument (gebaut von Jochen Bischoff mein Eigen nennen und ich liebe es! Und ich plädiere eindeutig dafür, dass in jedem Haushalt ein solches Gerät vorhanden sein sollte!

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