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Heilige Geometrie 3: Symbole in ihren Grundformen



Die Entwicklung von Symbolen ist in der Menschheitsgeschichte ein bahnrechender evolutionärer Schritt, nämlich anstelle eines konkreten Dinges ein abstraktes Symbol zu verwenden. Ein Tier würde von einem anderen Tier keine Zeichnung anfertigen. Bis heute ist auch der Mensch das einzige Lebewesen auf der Erde, das mit abstrakten Symbolen umgehen und den dahinterliegenden Sinn erkennen kann.


Wahrscheinlich war es der Homo sapiens, der vor rund 40.000 Jahren mit einem Stück Kohle etwas auf eine Felswand kritzelte. Wir heutigen Menschen leben in einer Welt voller Schriften, Zeichen und Symbole. Und ohne Verkehrszeichen, Firmenlogos, mathematischen Formel und elektronischen Icons wäre ein gesellschaftliches Geschehen heute undenkbar.


„Das Symbol ist nicht vom Menschen erdacht; es findet sich auch in der Natur, ja die ganze Natur ist ein Sinnbild der jenseitigen Wirklichkeiten“, schrieb der französische Metaphysiker René Guénon (später Abdel Wahid Yahia, 1886 – 1951). Er postulierte, dass die Erscheinungen der Natur auf der Wiederholung ihrer Formen beruhen. Der Entsprechung von runden Augen, dem Vollmond und der Sonne liege der Vergleich nahe, dass alles gefüllte Runde uns in die Lage versetzt, „die Welt zu sehen“. Umgekehrt drückt ein leerer Kreis das Unsichtbare, Gestaltlose aus.


Die meisten – spirituellen und alltäglichen – Symbole beruhen auf einfachen Grundformen wie Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Quadrat, Kreuz, Zacken, Wellen und Spiralen und deren Kombinationen. Im Folgenden einige Formelemente auf ihre Aussage hin betrachtet.


Der Punkt ist Ausdruck der Konzentration, von dem aus sich der Raum erschließt. Ohne Ausdehnung ist er unsichtbar und doch kann eine starke Strahlung von ihm ausgehen. Bei einem falsch gesetzten Punkt (v.a. in der Architektur) reagiert der Mensch unterbewusst mit Unbehagen.


Die Linie als Ausdruck des Weges ist richtungsweisend und führt uns in ihrer Absolutheit auf ein bestimmtes Ziel hin. Sie kann sanft gewellt oder streng zackig sein. Um den Weg zu verlängern kann sie horizontal kommend in die Vertikale weisen, als Ausdruck der Verbindung zwischen zwei Sphären.


Der Kreis (in der Fläche) und die Kugel (im Raum) – auch das Symbol der Null – zeigen uns die Vollendung, das Vollkommene des Ruhens in sich. Diese in sich geschlossenen Form zwingt uns zu einem Zentrum hin, in dem auch Unergründliches und Geheimnisvolles vorhanden sein kann.


Das (gleichseitige) Dreieck ist ein Sinnbild der Stabilität und der Unerschütterlichkeit, aber auch der Expansion, der Aktivität, des Kämpferisch-Dynamischen. Das Tetraeder, ein aus zwei gleichseitigen Dreiecken bestehender Körper, vermittelt durch die Anzahl an Ecken, Kanten und Flächen im Verhältnis von 4:6:4 absolute Ausgewogenheit im Raum.


Das Quadrat versinnbildlicht ruhige Festigkeit und eine erdgebundene Schwere, die weder nach innen noch nach außen strebt. Beim Würfel im Raum stehen Ecken, Kanten und Flächen 6:12:8 (120-80-60) in harmonikalen Verhältnissen zueinander.


Das Fünfeck auf der Fläche – oder das Dodekaeder im Raum – symbolisieren Wandlung in einem labilen, schwebenden Zustand und stehen für Toleranz und Freiheit. Um daraus ein Pentagramm zu machen, müssen alle fünf Eckpunkte verbunden werden. Wenn dieses Zeichen, auch als Drudenfuß oder Fünfstern bezeichnet, mit einer Spitze nach oben zeigt, kann man einen stehenden Menschen mit Kopf, Armen und Beinen erkennen und es gilt als ein Bannzeichen gegen das Böse. Zeigen allerdings zwei Spitzen nach oben, wird es mit dem Satanismus in Verbindung gebracht, weil es als Ziegenkopf das „Siegel des Baphomet“, ein Symbol für das Böse, darstellt.

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