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Musik und Sexualität

Aktualisiert: 14. Okt. 2022



Wer wünscht sich keine erfüllte Partnerschaft? Sie verspricht Glück, Harmonie und Gesundheit. Wir können – zumindest hier in Westeuropa – unsere Partner frei wählen, können uns öffentlich zu unseren sexuellen Neigungen bekennen. Wir haben alle nur denkbaren Möglichkeiten, unser Glück in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft zu finden. Und der gemeinsame Rhythmus ist eine zentrale Basis dazu.


Seit Jahrzehnten ist die westliche Welt geprägt von chronischem Stress und seinen Auswirkungen auf unsere Gesundheit – und auch auf die Sexualität. Bei Stress entsteht ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem, wir können nicht mehr richtig abschalten – und eine negativer Gedankenkreislauf beginnt, der in vielen Fällen zu körperlichen oder/und psychischen Krankheiten führt. Bei Stress wird der der Sympathikus aktiviert, der als Gegenspieler zum Parasympathikus unsere Leistungsfähigkeit steigert, damit wir schneller reagieren können, um vor dem Säbelzahntiger fliehen zu können😉. Dadurch wird aber die Durchblutung der Geschlechtsorgane gehemmt und die Gefäße kontrahieren.


Bei chronischem Stress kommt es zu einer verringerten Produktion von Geschlechtshormonen und die Lust sinkt entsprechend ab. Bei Frauen kann die monatliche Blutung ausbleiben und bei Männern die Samenproduktion verringert sein. Bei Belastungssituationen vergeht uns sozusagen die Lust auf Liebe und Sex, weil wir nicht wirklich bei der Sache sind, sondern unbewusst gedanklich unsere Probleme wälzen. Das hat für Männer durchaus andere Tragweiten als für Frauen …


Das berühmte Musiker-Ehepaar des 19. Jahrhunderts Clara und Robert Schumann (1819 - 1896 und 1810 - 1856) zeigt beim Lesen der erhaltenen Briefe erhebliche Dissonanzen im Ehe- und Liebesleben. Schumann hielt in einem Tagebuch, das für die hauswirtschaftlichen Ausgaben gedacht war, mit einem besonderen Zeichen die Häufigkeit des Geschlechtsverkehres fest. Für ihn war es, wie für viele Männer [auch der damaligen Zeit], die Bestätigung seiner Männlichkeit. Für die letzten beiden Lebensjahre gibt es dazu allerdings keine Eintragungen mehr. Er verbrachte sie in einer psychiatrischen Klinik, und seine Frau besuchte ihn nur einmal, kurz vor seinem Tod. Einige Biographen sind davon überzeugt, dass Clara ihn gegen seinen Willen dort einliefern ließ, um endlich – nach wenigstens neun Schwangerschaften – keine Kinder mehr bekommen zu müssen und sich ihrer Selbstverwirklichung als Konzertpianisten widmen zu können.


Um dem Gedankenstrom zu unterbrechen und der Entspannung Raum zu geben, eignet sich vor allem das Singen. Singen wirkt direkt über das limbische System, den Hypothalamus und den Hirnstamm auf das vegetative Nervensystem. Der beruhigende Parasympathikus (als Gegenspieler des aufgeregten Sympathikus) regt die Sekretion an, stimuliert die Durchblutung in den Geschlechtsorganen, den Hautgefäßen und fördert Lusterleben und Erektion. Singen unterstützt – wissenschaftlich mehrfach nachgewiesen – diesen Prozess und erhöht auch die Sauerstoffaufnahme, reduziert die Stresshormone und senkt die Herzfrequenz.


Singen fördert also eine entspannte und ausgeglichene Haltung in Körper und Seele, die den Boden für eine erfüllende Sexualität bereiten kann. Gemeinsames Singen vor oder während einer erotischen Begegnung kann die Ausschüttung von Oxytocin („Liebes- und Kuschelhormon“) sowie den Endorphinen („Glückshormonen“) auch auf hormoneller Ebene eine positive und liebevolle Atmosphäre unterstützen.


Über besondere Formen des Tönens oder Singens von speziellen Mantren in Verbindung mit verlangsamter Atmung kann ein Zustand von Herzkohärenz herbeigeführt werden, der das sexuelle Erleben intensivieren und verlängern kann. Normalerweise kommt es beim Sex zu einem allmählichen Anstieg der Herzfrequenz, der parallel zur sexuellen Erregung verläuft. Der Zustand der „Herzharmonie“ bremst die Erregung des Sympathikus, der für die Auslösung der Ejakulation verantwortlich ist, wirksam ab. In östlichen Traditionen des Tantra und im Taoismus gibt es seit Jahrtausende alte Methoden einer Verbindung von Atemverlangsamung, Mantrasingen und sexueller Vereinigung.


Die eigentliche sexuell stimulierende Musik kam für unsere westliche Kultur mit der „schwarzen“ Musik aus Amerika. Schon in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts empfanden etliche Musikkritiker die Rhythmen des Jazz als obszön und sexuell anstößig. Heute ermuntern Psychologen und Sexualtherapeuten uns, die Hüften zu den Synkopen von Jazz, Blues und Rock `n‘ Roll zu schwingen. Und wer erinnert sich nicht an Situationen, wo wir beim Tanzen die Körperberührungen des anderen als angenehm empfanden, den Atem und das Herzklopfen spürten, die Finger Schultern und Rücken sanft streichelnd berührten, man sich ins Ohr flüsterte …


Manche Naturvölker haben über rhythmische Rituale eine vergleichswiese einfachere Art, passende Partner zueinander finden zu lassen. Beim Singen und Trommeln können sie die individuellen Rhythmen aufeinander abstimmen und so erleben, ob sie zusammenpassen. Nehmen auch Sie an Trommel- oder Singworkshops teil, um in einen gemeinsamen Rhythmus einzustimmen. Oder legen Sie einfach ausgewählte Musikstücke in gezielter Abfolge auf, um sich dem Partner zunehmend seelisch und körperlich zu öffnen.

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