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Der Gong – ein weltweites Kult-Instrument


In chinesischen Quellen tauchen Gongs ab dem 9. Jahrhundert unter dem Sammelbegriff luo auf, sollen aber seit dem 4. Jahrhundert in Gebrauch sein. Die in der heutigen chinesischen Musik verbreiteten flachen Gongs mit schmalen Rändern sind bereits in der Abhandlung Yue shu (um 1100) abgebildet. Über Zentralasien sind sie nach Europa gekommen.


Die griechische Mythologie erzählt vom schlagkräftigen neunköpfigen Trupp waffenstarrender Dämonen. Um dem Verschlingen der eigenen Kinder durch deren Vater Kronos zu entgehen, wurde der Säugling Zeus von seiner Mutter Rhea in einer Höhle der Gaia versteckt und dort von den Kureten beschützt. Diese dämonischen Krieger übertönen durch Gebrüll und Waffenklirren das Geschrei des Säuglings, damit Kronos nicht auf ihn aufmerksam wird. Deshalb schlugen auch junge Männer in griechischen Mythen auf Metallscheiben, um die Schreie des kindlichen Zeus zu übertönen. – Übrigens übergibt Gaia dem Kronos anstatt Zeus einen in eine Windel gewickelten Stein, den er auch sogleich verschlingt …


Die Römer besaßen Handglocken, Gongs und Metallscheiben (Zimbeln), die an einer durch ein mittiges Loch gezogenen Schnur herabhingen und als Signalinstrumente dienten. In das 1. oder 2. Jahrhundert n.Chr. datiert ein um 1880 in der Grafschaft Wiltshire im Südwesten Englands ausgegrabener römischer Gong. Siehe Blog „Die Mystik der Glocken“.


Gongs kommen in unterschiedlichen Größen und Formen vor, die beiden Hauptkategorien sind Flachgongs und Buckelgongs. Stark gekrümmte, schalen- oder gefäßförmige Platten werden zu Metalltrommeln und annähernd U-förmige Behälter heißen Kesselgongs.


Die größte Bedeutung besitzen die in weiten Teilen Südostasiens über Thailand, Laos, Kambodscha bis ins vietnamesischen Bergland verbreitete Buckelgongs mit ihrer charakteristischen Aufwölbung in der Mitte. Buckelgongs sind abhängig vom Durchmesser und im Unterschied zu flachen Gongs in einer bestimmten Tonhöhe herstellbar. Sie gehören in Südostasien zu den melodieführenden Instrumenten. Bronzegongs können eine kultische Bedeutung haben und ein Symbol für Reichtum darstellen. Bei den nordvietnamesischen Mường stellen Gongs die wertvollste Mitgift der Braut dar und entsprechen dem Tauschwert eines Wasserbüffels oder einer Kuh.


Sie stehen in Verbindung mit den ostasiatischen Kesselgongs der Dong-Son-Kultur, etwa ab der Mitte des 1. Jahrtausend v.Chr. Sie werden wegen ihrer äußeren Form auch häufig „Bronzetrommeln“ genannt. Diese ältesten chinesischen Kesselgongs breiten sich ab dem 4. Jahrhundert v.Chr. über den östlichen Mittelmeerraum bis nach Griechenland aus. Bei altgriechischen Totenritualen wurde das echeion – auf einem Korpus liegende mit kunstvollen Gravuren verzierte Bronzeplatte – geschlagen, das vielleicht ein Flachgong oder eine Schlagplatte war.


Der Wind- oder Feng-Gong ist ein Flachgong, eine nahezu flache Scheibe, wodurch sich der Klang besonders leicht ausbreitet. Jeder Gong wird in alter Tradition aus poliertem Messing handgefertigt. Die chinesische Stadt Wuhan ist ein Zentrum, in dem Einzelstücke mit besonderem Klangcharakter hergestellt werden. Wegen seinem strahlenden goldfarbenen Glanz wird er manchmal auch als Sonnengong bezeichnet. Sein Klangcharakter ist eher tief und er fängt bei stärker werdendem Anspiel kräftig zu vibrieren an. Dadurch entstehen wellenförmige Klänge mit großer Lautstärke.


Der Klang entfaltet einen breiten Frequenzbereich und lässt sich zusätzlich durch verschiedene Spieltechniken weit modulieren. Er wird mit einem Schlägel mit einem Kopf aus Filz, Holz, Metall oder Kunststoff engeschlagen. Das Obertonspektrum reicht von weichen Klängen bis zu dramatischen. Wird er – mit einem großen Schlägel – weich angeschlagen, erklingt ein sanfter, dunkler Ton. Bei starkem Anschlag entfaltet sich ein explosiver, obertonreicherer Klang. Große Wind- oder Feng-Gongs eignen sich gut zur energetischen Reinigung von größeren Räumen und sind auch optisch ein Schmuckstück.


Der Gong kann in der populären Musik ein ergänzender Teil des Schlagzeugs sein, im klassischen Orchester oder in reinen Perkussionsensembles wird meist ein hängender Flachgong nach dem Vorbild des chinesischen Tamtam gespielt, der einen ungefähren Durchmesser von 90 bis 100, in seltenen Fällen bis 150 Zentimetern haben kann.


Gongs werden auch immer häufiger therapeutisch eingesetzt. Die intensive, lang anhaltende Klangabstrahlung hat eine reinigende und energetisierende Wirkung. Sein Klangteppich löst Spannungen und bringt jede Zelle erneut zum Schwingen. Melodische oder rhythmisierte Musik ist hier nicht beabsichtigt. Siehe Blog „Die Wirkung von Klangschalen“.


Therapie-Gongs (Titelfoto) werden aus einer Neusilber-Blech-Legierung aufwendig von Hand geschmiedet. Der Klang entsteht durch das kunstvolle Geschick des Gongmachers. Dabei erfordert das abschließende Stimmen des Gongs besonderes Fingerspitzengefühl und wird so oft wiederholt, bis der gewünschte Ton erreicht ist. Jeder einzelne Hammerschlag prägt sich unwiderruflich in das Metall und gestaltet den Klang bis zu seiner Vollendung.


In der katholischen Liturgie werden kleine Gongs als ein Aufmerksamkeitszeichen beim Zeigen der gewandelten Gaben von Brot und Wein verwendet. Als Signalinstrumente kommen Gongs unter anderem in der Schule zur Anzeige von Unterrichtsbeginn oder -ende, beim Boxkampf für Rundenbeginn oder -ende, vor Lautsprecher-Durchsagen in Bahnhöfen oder als Zeitzeichen in Hörfunk und Fernsehen zum Einsatz.




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